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Meinung zum Beschneidungsurteil

So, nun ist es soweit. Ich schreibe hier mal meine Meinung. Dies ist wahrscheinlich nötig, da irgendwie entweder alle einer Meinung sind oder sich mit ihrer eigenen zurückhalten.

Was war passiert? Ein Kölner Gericht hat vor ein paar Wochen die Bescheidung eines jüdischen Jungen als Körperverletzung gewertet und damit allen Ärzten klargemacht, dass künftig Beschneidungen strafbar sind.

Zunächst passierte 24 Stunden lang nichts. Dann wachten unsere jüdischen Mitbürger auf, denn das Urteil bezog sich ja auf eine jüdische Beschneidungszeremonie. Die Äußerungen schwankten zwischen Fehlurteil und Beweis eines weiterhin in der deutschen Gesellschaft verwurzelten Antisemitismus. Kernargument: Beschneidung ist ein Teil der jüdischen Religion. 

Im Radio durfte ich einigen Erläuterungen lauschen, warum die Beschneidung ein Ausdruck der Verbundenheit zwischen Abraham und Gott sei. Wirklich verstanden habe ich das nicht. Frei übersetzt heißt es in 1. Mose 17: Gott verspricht Abraham, dass er und seine Nachkommen auf ewig über das Land Kanaan herrschen würden. Dafür musste sich der 99jährige Abraham jedoch zum Zeichen dieses Bundes beschneiden lassen und versprechen, dass dies auch alle seine Nachfahren tun würden. Um etwas Druck zu machen, fügte Gott noch hinzu (1Mose17:14), dass, sollte jemand der Nachfahren sich nicht beschneiden lassen, dieser Bund (zumindest wohl für den Verweigerer) gebrochen sei.

Für mich bedeutet dies: Zumindest in diesem Fall verlangt der "gütige Gott" also eine Gegenleistung. Dieser Bund ist also eher ein (Kuh-) Handel: Kanaan gegen Vorhäute durch alle Generationen… 

Weiterhin ist Kanaan einigermaßen mit dem heutigen Israel gleichzusetzen. Allerdings gehört der heutige Gaza-Streifen mit Bestimmtheit dazu. Hier hat die Hisbollah und nicht mehr Israel das Sagen. Zuviele Vorhäute? Kann nicht sein, siehe unten...

Nach einer etwas tieferen Schlafphase wachten nun auch einige mohammedanische Mitbürger auf, die sich daran erinnerten, dass die Beschneidung ja auch bei ihnen zur religiösen Praxis gehört. Auch sie äußerten sich nun entsprechend in der Öffentlichkeit. (Und damit ist das mit der Hisbollah und dem Gaza-Streifen auch vom Tisch.)

Was passierte dann? Wenn unsere jüdischen Mitmenschen sich in ihrer Religonsausübung durch uns Deutsche gehindert sehen, dann gehen bei uns natürlich sofort alle Warnlampen an und ein virtuelles Banner, auf dem "Holocaust" steht, blinkt vor unseren Augen.

Kommen dann noch unsere Muslimbrüder… Halt falsch, natürlich unsere muslimischen Brüder, die doch unser ehemaliger Bundespräsident zu einem Teil von Deutschland erklärt hatte, dann ist die Verwirrung groß und unsere Regierung fühlt sich zum Handeln genötigt. Da hilft auch nicht, dass unser jetziger Innenminister öffentlich erklärt hat, dass er die Wulffworte nicht teilt. 

Hätte man das mit den Mohammedanern noch aussitzen können, mit unseren jüdischen Mitbürgern ging das ja garnicht… Unsere Regierung erklärte schnell, dass das mit der Körperverletzung ja wohl nicht sein könne und daher geprüft werde, ob ein neues Gesetz gebraucht werden würde, um die Bescheidung wieder zu legalisieren.

Alles war wieder im Lot. Unsere jüdischen Mitbürger verstummten nach kurzem Gegrummel. Die mohamedanischen auch, auch wenn sie wieder etwas länger brauchten. Das Thema war erfolgreich vom Tisch.

Nur mindestens einer stand da nun wie blöd und hatte das Gefühl, mit seiner Meinung völlig daneben zu liegen. Wer das war bzw. noch immer ist? Das bin ICH!

Ich erinnere mich nämlich daran, dass in Vorzeiten auch die Verbrennung von Jungfrauen als religiöse Sitte galt. Mit diesem Opfer wurde unter anderem um eine gute Ernte gefleht. Also auch ein Deal wie der zwischen Gott und Abraham. Allerdings mit dem feinen Unterschied, dass die Beschneidung auf Druck von Gott ausging, während das Opfer der Jungfrauen freiwillig geschah. Vermutlich nicht von den Jungfrauen aus sondern von denen, die sie abfackelten.

Was wäre aber nun passiert, wenn es bei dem Kölner Urteil nicht um ein bischen Vorhaut sondern um die Verbrennung einer ganzen, und daher sehr viel wertvolleren, Jungfau gegangen wäre? Das Urteil wäre bestimmt das gleiche gewesen. Das Gericht hätte auch zum Jungfrauenabfackeln "Njet" gesagt. Nein, mich interessiert, was hätte unsere Regierung gemacht? Hätte sie auch gesagt, das Abfackeln dieser armen Mädels sei ganz ok? Nur eben, dass es kein Christ machen darf?

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass unsere Regierung "Nein" gesagt hätte. Das führt aber zu der nächsten spannenden Überlegung: 

  1. Es ist ok, einem kleinen Jungen die Vorhaut abzusäbeln, was der mit Sicherheit in dem Moment nicht als höchstes Glücksgefühl empfindet, sondern bitterlich seinen Schmerz rauskräht.
  2. Es ist nicht ok, eine ganze Jungfrau zu rösten. Da sind wir uns ja wohl alle einig!
  3. Aber was wäre mit einer größeren partiellen Verstümmelung? Also zum Beispiel eine Hand abhacken oder einem Mädchen die Klitoris wegzuschneiden?


Jetzt bin ich mal gespannt, wann jemand mir die Lösung aus dem Dilemma nennt. 

Solange ich die nicht kenne, habe ich meine eigene Hypothese, um meine Regierung zu verstehen: 

Vorhaut braucht man nicht. Einige sagen, die Beschneidung führt sogar zu erhöhter Hygiene. 

Dagegen weiß jedes Kind, naja vielleicht nicht jedes Kind aber zumindest jeder männliche Erdenbürger ab seiner Pubertät, dass man Jungfrauen braucht. 

Selbst ein Rechtshänder braucht seine linke Hand, denn sonst bekommt er nie die Bierflasche oder das Marmeladenglas auf. 

Und, solange man keinen Vertreter der katholischen Kirche fragt, denn nach deren Lehre darf Sex ja keinen Saß machen, sondern dient allein der Generierung von Nachwuchs, was auch ohne Klitoris geht, gilt das auch für diese. 

Wenn das Brauchen eines Körperteils also das Kriterium für die Entscheidungsfindung unserer Regierung wäre, dann bin ich froh, noch von keiner Religion gehört zu haben, die die Entfernung des Blinddarms in einer religiösen Zeremonie fordert. Schwein gehabt, liebe Bundesregierung!

Doch zurück zur Bescheidung. Irgendwo hörte ich den Vorschlag, alle Länder sollten doch die Beschneidung verbieten. Wirklich alle, aber Israel nicht. Dann müssten sich alle Juden und Mohammedaner immer in Israel für die Ausübung ihrer religiösen Zeremonie treffen, wobei sie dann nebenher kräftig über den gottlosen ganzen Rest der Welt vom Leder ziehen könnten. Wenn das nicht ein Riesenschritt zu einem dauerhaften Frieden im Nahen Osten wäre...


©  Olaf Goette 2008 - 2018