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über die Ägypter im Hotel


Auch diesmal kommen die Gäste des Hotels, das zur Zeit eine Belegung von 85% hat, aus aller Herren Länder. Am Strand liegen Deutsche neben Russen, Österreicher neben Ägyptern, Belgier neben Ich-weiss-nicht-woher. Alle haben ihre Eigenheiten. Russen sind meist etwas lauter, aber "unsere" hier entstammen schon etwas besseren Kreisen und werden ihrem normalerweise sehr schlechten Ruf nicht gerecht. Unter einem Schirm liegt eine österreichische Gruppe, die an Krakehl die Russen deutlich schlägt. Zu dem kommt noch ihr grässlicher Dialekt. Glücklicherweise sind sie nicht in unserer Nähe.

Am auffälligsten sind jedoch die Ägypter. Wir haben hier zur Zeit sehr traditionelle Familien, in denen die Frauen eine Burka tragen. Vor zwei Jahren hatten wir eine Frau mit einer vollen Verschleierung, die sehr geschickt von unten ihre Speisen hinter der Gesichtsmaske zum Mund führen musste. Diese Extremversion findet sich zur Zeit nicht im Hotel oder wir haben sie noch nicht gesehen. Die Frauen, die wir zur Zeit in einer Burka sehen, zeigen ihr Gesicht zumindest teilweise. Andere Frauen tragen ägyptische Kleidung andere westliche. Aber immer mit dem obligaten Kopftuch.

Sehr befremdlich wirken die Burka-Frauen am Strand. Denn auch hier sind sie komplett bekleidet, man sieht nur ihr Gesicht und die Füße. Und das ändert sich auch nicht, wenn sie ins Wasser gehen (Ein Klick auf das Bild, das nicht von mir ist, vergrössert es).

burka-swim


Üblicherweise können Ägypter nicht schimmen, weder Männlein noch Weiblein. Also marschieren sie im vollen Dress ins Wasser und setzen sich dann ins Wasser. Ein erstaunlicher Anblick! Sind sie mit ihrer Art eines Bades fertig, setzen sie sich mit all den nassen Klamotten wieder an den Strand. Es gibt am Strand mehrere Umkleidekabinen, in denen sie völlig unbeachtet und vor jedem Blick geschützt ihre nassen gegen trockene Klamotten tauschen könnten. Aber sie tun das nicht. Sie sitzen in ihren vermutlich mehreren Lagen nasser Bekleidung unter dem Sonnenschirm. Manchmal legen sie sich ein Badetuch noch zusätzlich um. Da unter dem trockenen Badetuch mehrere Lagen nasser Bekleidung die Haut bedecken, ist der Sinn dieser Badetücher für mich nicht nachzuvollziehen.

Auch im Restaurant ist das Verhalten befremdlich. Nicht dass die ägyptischen Familien nerven würden. Nein, sie verhalten sich eher zurückhaltend und ruhig, was allerdings nicht für ihre kleinen Kinder gilt. Hier scheint die Erziehung ähnlich der zu sein, die wir von Janas indischen Schulkammeraden kennen. Bis zu einem gewissen Alter dürfen die Kinder exakt alles und werden in keiner Weise gebremst, erzogen schon gar nicht. In einem gewissen Alter wird dann der Hebel umgelegt und ab dann ist eine eher sehr strenge Erziehung angesagt.

Also, was ist da im Restaurant befremdlich? Ihre Art sich das Essen vom Buffet zu holen. Die Teller quellen über und die unterschiedlichen Speisen werden teilweise kunstvoll übereinander gesichtet. Ich bezweifle, dass ein normaler Mensch einen so vollgepackten Teller überhaupt aufessen könnte. Sie tun das auch nicht. Sie picken etwas hier, etwas dort und der Rest wird nicht gegessen. Wenn Tina und ich uns einen zweiten Teller holen und zu unserem Tisch zurückkehren, dann sind unsere alten Teller schon abgeräumt. Die Ägypter sind allerdings irgendwie schneller! Gestern zählte ich bei einer Burka-Frau am Nebentisch, die dort mit Mann und ständig herumspringenden Kind saß, exakt einen Stapel von 3 großen und 2 kleinen Tellern, die mit jeweils wohl mindestens 80-90% Resten eine ahnsehnliche Pyramide vor ihr ergaben. Auch ihr Mann hatte eine gebaut. Das Kind nicht, da es entweder durch das riesige Restaurant wuseln oder über die Stühle klettern musste. Kam es dabei der Mutter zu nahe, versenkte die schnell etwas vom Teller im Mund des Kindes. Man kann sich gut vorstellen, wie das Tischtuch um die Pyramiden herum aussah. Alles geht aber sehr ruhig über die Bühne, und, wenn man nicht hinschaut, dann stöhrt es auch nicht.

Als unser Nebentisch doch für kurze Zeit von dem Ehepaar verlassen wurde, räumte das Personal schnell die Pyramiden ab und entfernte die gröbsten Essensreste vom Tisch. Kaum waren sie fertig, kehrte das Ehepaar mit jeweils mehreren Tellern Nachtisch zurück. Auf einem Kuchenteller befinden sich dann auch nicht ein oder zwei Stück Torte oder Gebäck, nein, er quillt wieder über!

Sind die Ägypter mit ihrer Art des Essens fertig, dann hat das Personal nicht nur den Tisch wieder in seinen Normalzustand zu versetzen und den Boden unter dem Tisch mit einem Besen zu reinigen, nein, auch der Polsterstuhl, der mit Kunstleder bezogen ist, auf dem die Burka-Frau saß wird überprüft. Das wirft zwei Fragen auf: 1.) Was wird da geprüft? 2.) Warum Kunstleder? Beide Fragen werden durch die gleiche Antwort geklärt: War die Burka-Frau nämlich noch in der letzten Stunde  vor ihrem Dinner baden, könnte es sein, dass ihre nassen Klamotten ihren Stuhl für nachfolgende Gäste zu einer unangenehmen Überraschung hätten werden lassen.

Ich habe mich erkundigt, ob Ägypter ein solches Schlachtfeld nur im Restaurant aber wohl nicht bei sich daheim anrichten. Die Antwort war für mich erstaunlich. Die normalen Ägypter können es sich einfach nicht leisten, einen Großteil ihrer Speisen dem Müll zu übergeben. Anders ist es aber bei denen, die gut gestellt sind. Essen in Hülle und Fülle vor sich zu haben, ist ganz wesentlich für ihr Glücksgefühl und und Ausdruck von Wohlstand. Daher ist ihr Verhalten daheim nicht anders.

Wir haben hier im Hotel zwei Arten von Ägyptern: Die Gäste, die eher reich sind und die vielen Angestellten, deren Monatsverdienst etwa 100€ beträgt. Während die ägyptischen Gäste zu den anderen Gästen absolut freundlich sind und die Männer sich sogar etwas vom weiblichen europäischen Personal, das meist Managementdienste verrichtet, sagen lässt, behandeln sie das Dienstpersonal meist wie Dreck. Die abgeschwächteste Form ist schlichtes Ignorieren oder das Anschlagen eines erniedrigenden Befehlstones. Wir haben das nie beobachtet, uns wurde jedoch gesagt, dass ein ägyptischer Kellner, der es wagt, die falsche Cola zu servieren, schon mal damit rechnen muß, angespuckt zu werden.

Ich habe oben geschrieben, dass das ägyptische Personal etwa 100€ im Monat verdient. Wir haben darüber mit einer der "Guest Relation Managerin" gesprochen, die uns erklärt hat, dass ein solcher Job im Hotel durchaus erstrebenswert ist. Das Personal wird nämlich zudem verpflegt, erhält seine Dienstkleidung kostenlos und auch kostenlos gewaschen und wohnt für umsonst. Zu den 100€ kommt noch einmal etwa die gleiche Menge an Trinkgeldern. Ein Lehrer oder Rechtsanwalt verdient nicht deutlich mehr, kommt vielleicht ebenfalls auf 200€, muss aber Wohnung, Essen und Bekleidung selbst kaufen und kann das Thema Trinkgeld natürlich vergessen. Daher gibt es im Hotel den einen und anderen ehemaligen ägyptischen Lehrer oder Juristen, der jetzt glücklich ist, das schmutzige Geschirr abzuräumen oder Getränke zu servieren. Ein reales Beispiel wurde uns von ihr (der GRM) erzählt. Ihr ägyptischer Freund hatte zunächst auf Lehramt studiert und auch ein paar Jahre den Beruf ausgeübt. Von dem mühsam Ersparten machte er einen Tauschschein und nun geht er mit den Touristen im Roten Meer tauchen. Jetzt ist er glücklich, da er damit zu denen zählt, die mehr als der Durchschnitt verdienen.

Was fällt noch an den ägyptischen Gästen auf? Burka und Verschleierung wirken auf uns Eropäer natürlich wie eine brutale Degradierung der Frau. Tatsächlich ist jedoch zu beobachten, wie liebevoll die ägyptischen Männer sich um ihre Frauen kümmern. Nicht nur ihr Umgang ist hochachtungsvoll, sondern der Mann umsorgt seine Frau ständig. Das uns so bekannte "Hol mal nen Bier aus dem Kühlschrank und bring meine Pantoffeln mit, wenn Du nicht willst, dass meine dreckigen Schuhe den Teppich verschmutzen!" käme dem ägyptischen Mann bestimmt nicht über die Lippen.

Dies liegt bestimmt nicht nur daran, dass die Frau ein teurer Luxusgegenstand ist. Wie ich das meine? Üblicherweise muss der Mann seine künftige Frau bei deren Eltern kaufen. Die Währung ist dabei reines Gold. Nach welchen Kriterien der Preis festgelegt wird, weiß ich nicht, denn das mochte ich nun doch nicht fragen…

Hat ein ägyptischer muslimischer Mann genügend Gold zur Verfügung, dann kann er bis zu vier Frauen haben. Hier haben uns zwei Dinge erstaunt: 1.) Die erste Frau muss die Auswahl der zweiten quasi genehmigen. Die erste und zweite die der dritten. Noch erstaunlicher: 2.) Was hält denn die erste Frau davon, wenn der Mann sich noch eine zweite kauft? Sie ist nicht etwa beleidigt, nein im Gegebteil: Sie ist stolz darauf, denn der Mann zeigt damit, dass er sich zwei Frauen "leisten" kann. Nicht nur, dass er genügend Gold zum Erwerb der zweiten besaß, nein, er kann auch zwei Frauen unterhalten. 

Gibt die deutsche Frau damit an, dass ihr Mann sich einen Porsche leisten kann, so die ägyptische damit, dass ihr Mann noch ein paar weitere Frauen hat!

Die ägyptische Frau trägt Nullkommanichts zum Lebensunterhalt bei. Sie hat ein Rundumsorglospaket und ist allein für die zunächst nicht stattfindende Erziehung der Kinder mitverantwortlich. Dies ist auch ein Grund dafür, dass wir im ganzen Hotel noch keine ägyptische Frau gesehen haben, die irgendwelche Arbeiten verrichtet. Stubenmädchen, die das Zimmer reinigen, sind immer männlich! 

Halt, Stopp: Vor zwei Jahren war hier eine junge Guest Relationship Managerin, die in Kairo geboren worden war. Und in dem IT-Bereich, der mir mit dem WLAN half, war auch eine ägyptische Frau. Klar, dass beide natürlich noch nicht einmal ein Kopftrug trugen. Vielleicht gehören ja beide auch zu der Minderheit der Christen… 

Zurück zu den mehreren Frauen eines ägyptischen Mannes: Hat der Mann mehrere Kinder von seinen unterschiedlichen Frauen, so leben alle in einer Familie und alle Kinder werden gemeinsam von allen Frauen (nicht) erzogen.


Ich hoffe, diese Schlaglichter auf unsere Ägypter (Gäste und Angestellte) hier im Hotel hat einige neue Einblicke in die Kultur gegeben. 

Ach, noch eines: Petra, von der ich schon an anderer Stelle berichtete und die die Nummer 1 der Guest Relationship Manager ist, hat uns zu dem Thema gesagt, dass noch heute jeder Ägypter stolz auf seine vormalige Kultur mit Pharaonen und Pyramiden ist. Sie hätten jedoch noch nicht mitbekommen, dass das alles viele tausend Jahre zurückliegt und sie heute meist nur die niedrigsten Tätigkeiten verrichten. Und auch dies nur, wenn man sie ständig und detailliert anweist und wohl auch antreibt und kontrolliert. 

Egal, wir sind hier zu jedem freundlich, und so wie man sich ehrlich gefreut hat, als wir hier wieder ankamen, zeigt uns, welche Wertschätzung wir dafür geniessen.


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